Viele Eltern können im ersten Moment nicht mit dem Outing ihres Kindes umgehen. Nicht nur dem Jugendlichen, sondern auch , den Eltern, gehen Fragen durch den Kopf, die erst einmal sortiert werden müssen. Bis zu dem Verständnis des Kindes und der Akzeptanz ist es leider oft ein weiter Weg. Hier sind einige Fragen und Antworten, die vielleicht etwas helfen können, denn sie gehen vielen Eltern nicht aus dem Sinn.
     
     

    Was habe ich falsch gemacht?

    Was bedeutet "schwul" eigentlich?

    Ist das eine Krankheit?

    Ist es eine Phase?

    Was soll ich tun?

    Rebelliert er nur gegen mich?

    Es sind Worte gefallen, die nicht hätten sein brauchen. Was soll ich nur tun?

    Wie gehe ich damit um, dass es jetzt wohl doch nichts wird mit Oma- und Opa-werden.

    Soll ich es Freunden, Verwandten, Bekannten erzählen?Was werden die Nachbarn denken?

    Wie verhalte ich mich, wenn mein Sohn den Lover mit anschleppt?
     
     
    was habe ich falsch gemacht? 

    Was sollen sie falsch gemacht haben?

    Sie haben Ihr Kind großgezogen, welches sich vertrauensvoll mit seinen intimsten Gedanken an sie wendet und Sie um Hilfe bittet.

    Es ist bereit eine vertrauensvolle und liebevolle Partnerschaft einzugehen und damit auch eine große Verantwortung.

    Ihr Kind hat durch sein Outing einen sehr großen Schritt gemacht, der sehr schwer für es ist. Es hat nämlich gesagt: "Ich weiß jetzt wer ich bin."

    Hier zeigt sich, dass Ihr Kind einen starken Charakter hat und zu sich stehen kann.

    Es hat sicher keinen sehr einfach Weg gewählt und zeigt hiermit, dass es sich in Zukunft durchsetzen wird.

    Nein, Sie haben ganz sicher nichts falsch gemacht. Homosexualität ist absolut nichts unnatürliches und kommt in der Natur genauso häufig vor wie bei den Menschen.

    In der Bevölkerung gelten schwule Personen meist als warmherzig, höflich und offen .... wie könnten Sie da etwas falsch gemacht haben?

    Außerdem ist Schwulsein keine Entscheidung Ihres Sohnes... entweder Ihr Kind ist schwul oder es ist es nicht. Er hat sich sicher sehr viele Gedanken um sich und seine Gefühle gemacht. Und er hatte sehr viel Angst Ihnen von seinen Gefühlen zu berichten.

    Nein, Sie haben sicher nichts falsch gemacht.. aber Ihr Kind benötigt Sie jetzt. Zeigen Sie ihm Ihre Unterstützung, denn er braucht sie.

    Schwule Beziehungen sind in nichts einfacher als heterosexuelle.... vielleicht sogar in einigen Bereichen schwieriger ... zeigen Sie Ihrem Sohn, dass Sie für Ihn da sind...

    Er wird es Ihnen danken!

     Was bedeutet

    Schwul zu sein bedeutet Gefühle für einen anderen Mann zu empfinden. Ihn zu lieben und zu begehren. Den Wunsch zu haben mit einem Mann zusammen zu sein und ihn zu respektieren und zu akzeptieren.

    Oft wird Schwulsein mit Homosexualität gleichgesetzt. Aber das ist nicht ganz wahr. Homosexualität bedeutet nur Sex mit dem gleichen Geschlecht zu haben.

    Homosexualität wurde früher als eine Krankheit angesehen und mittels einiger Therapieansätze ( meist Elektroschocktherapie ) zu heilen versucht. Der Erfolg war gering und die wenigen Erfolge waren wahrscheinlich auf Grund der Angst vor der Behandlung zu sehen.

    Es wird angenommen, dass 10% aller Männer schwul sind. Fragen woher die homosexuellen Neigungen stammen sind noch nicht geklärt. Es gibt sowohl Hinweise, dass die Homosexualität genetisch bedingt ist, aber auch, dass sie durch Erfahrungen erworben wird.

    Es mit Sicherheit  jedoch keine auflehnende Haltung den Eltern gegenüber. Der Schwule liebt seinen Partner, wie auch die Liebe bei heterosexuellen Pärchen entsteht.

    Die Outing-Phase ( der Zeitraum in dem der Junge lernt zu sich selbst und seinen Gefühlen zu stehen ) ist meist die schwierigste im Leben des jungen Menschen. Depressionen, Ängste, Minderwertigkeitsgefühle und auch Suizidgedanken sind sehr häufig.

    Erst durch positive Erfahrungen aus der Umwelt gelingt es dem Jugendlichen wieder zu sich selbst zu finden und dann ein positives Lebensgefühl aufzubauen.

    Nicht selten macht der schwule Junge zunächst heterosexuelle Erfahrungen und lebt auch teilweise in langen Beziehungen zu Frauen, bevor er merkt, dass seine Gefühle zu Männern stärker sind.

    Oft ist die Angst vor der Bevölkerung und drohender Missbilligung so stark, dass der Jugendliche entscheidet trotz seiner Homosexualität eine heterosexuelle Beziehung aufzubauen, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Doch meist sind diese Partnerschaften sich sehr glücklich. Die Liebe fehlt in der Beziehung und der heimliche Wunsch nach einem männlichen (Sexual-)Partner ist sehr stark. Wirklich glücklich sind diese Personen selten.

     

    Ist das eine Krankheit?

    Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurde Homosexualität als Krankheit angesehen. Man sprach von einer "Verirrung der Natur " und versuchte Heilerfolge mit der schmerzlichen Elektroschocktherapie zu erlangen. Die Erfolge waren gering und die "Heilungs"prozesse waren wohl in der Angst vor weiter Behandlung zu sehen.

    Heute gilt Homosexualität nicht mehr als Krankheit sondern als eine völlig natürliche Sache.

    Es ist das Christentum, das die Homosexualität in die Ecke gedrängt hat.

    In der alten Grieche und im römischen Imperium ( beispielsweise ) galt es als eine völlig normale Sache einen Geliebten zu haben. Viele große Feldherren wie z.B. Julius Cäsar waren schwul.

    Bitte schicken Sie Ihren Sohn nicht zum Arzt oder Psychologen! Es ist keine Krankheit ! Ihr Sohn macht sich genug Gedanken.. unterstützen Sie ihn!

     

    Ist das eine Phase?

    Tatsächlich haben die meisten männlichen Jugendlichen im alter von 14-17 zahlreiche homosexuelle Phantasien und auch Kontakte (homophile Phase). Dies ist ein natürlicher Prozess und hat mit den späteren Neigungen wahrscheinlich nichts zu tun.

    Sicher besteht immer die Möglichkeit, dass Ihr Sohn sich doch noch für eine Frau entscheidet... aber sehen Sie das bitte nicht als wahrscheinlich an. Wenn dem so ist, dann wird das passieren. Wenn sie aber dahindrängen tun sie ihrem Sohn weh und zeigen ihn, dass sie ihn nicht akzeptieren können. Helfen sie ihm indem Sie ihm zeigen, dass Sie für ihn da sind. Er wird noch viel durchleben müssen.

    Viele Eltern versuchen nach dem Verlust eines Partners des Sohnes wieder in die Richtung Frau zu lenken. Damit treiben Sie Ihrem Sohn mit Sicherheit ein Messer in den Rücken.

    Denken Sie daran, dass Ihr Sohn seinen Partner liebt. Das allein verdient Ihre Unterstützung.

    Als Eltern wollen Sie immer für Ihren Sohn da sein... jetzt benötigt er sie wirklich. Allein mit Verständnis können Sie ihm alles geben, was er jetzt braucht!

     

    Was soll ich tun?

    Für ihn da sein, mit ihm reden, Verständnis aufbringen.

    Hören Sie sich an, wie er denkt und fühlt. Zeigen Sie ihm, dass sie immer für ihn da sein werden und ihm helfen wollen.

    Sicher... die Situation ist für Sie sehr schwierig und Sie waren darauf nicht gefasst. Aber Sie müssen Ihrem Sohn jetzt Kraft geben, denn er hat für sein Outing sehr viel Kraft gebraucht.

    Er erwartet nichts von Ihnen... nur Verständnis und dass Sie ihn akzeptieren und für ihn da sind.

    Versuchen Sie bitte auch den Partner ihres Sohnes zu akzeptieren...es gibt nur wenig schlimmeres für Ihren Sohn und seinen Partner als zu spüren, dass sie ihn nicht wünschen.

    Sie können damit eine Beziehung zerstören... und das wollen sie Ihrem Sohn nicht antun.

    Es gibt zahlreiche Bücher für Eltern von schwulen Kindern, die sehr gut sind und Ratschläge sowie Aufklärung bieten.... diese zu lesen ist ein sehr guter Anfang.

    Hilfe ist immer bei der AIDS-Hilfe zu bekommen. Dieses Hilfezentrum, welches in jeder größeren Stadt ansässig ist, dient nicht nur der Hilfe von HIV-Infizierten, sondern unterstützt auch Lesben, Schwule und deren Angehörigen.

     

    Rebelliert er nur gegen mich?

    Nein. Ihr Kind befindet sich in einer sehr schwierigen Phase, die sehr viel Kraft benötigt und meist mit Depressionen, Ängsten und Suizidgedanken einhergeht. Vergleichbar fühlt sich ein Tier das in die Ecke gedrängt wurde und sehr viel Angst hat.

    Aber der eigentliche Schritt es den Eltern zu sagen ist hier noch der schwerste und erfordert viel Mut und Aufrichtigkeit. Ihr Kind hat lange mit seinen Gedanken kämpfen müssen und das Verheimlichen ist ihm nicht leicht gefallen.

    Erst jetzt kann Ihr Kind zu sich stehen und seinen eigenen Weg gehen.

    Mit Rebellion hat das nicht zu tun... ganz im Gegenteil Ihr Kind zeigt Ihnen, dass es Ihnen vertraut und sich ihnen öffnen kann.

    Zeigen Sie ihm, dass Sie sein Vertrauen würdigen... Ihr Kind wird es Ihnen danken.

     
    Konfliktmanagement

    oder: Es sind Worte gefallen, die nicht hätten sein brauchen. Was soll ich nur tun?

    Keiner erwartet von Ihnen, dass Sie sofort mit der neuen Situation zurechtkommen. Sicher, oftmals ist das was gesagt wird nicht das, was eigentlich gesagt werden sollte.

    Ihr Kind hat sich Ihnen geöffnet und Sie konnten sich nicht so verhalten, wie es wohl am Besten gewesen wäre und rückgängig kann man es auch nicht machen.

    Ihr Sohn hat alle Kraft aufgebracht um Ihnen die Wahrheit und Seine Gefühle zu sagen. Können Sie nicht die Kraft aufbringen um ein wenig auf ihn zu zugehen.

    Er braucht Sie und Ihre Kraft jetzt, denn sonst fühlt er sich völlig allein. Auch wenn Sie ihn nicht verstehen können, dann müssen Sie verstehen, dass er sich einsam fühl und etwas Geborgenheit. Versuchen Sie einen Schritt auf ihn zu zugehen und hören Sie ihn an.

    Sie werden es nicht bereuen.


     
      Ende der Erbfolge

    oder: Wie gehe ich damit um, dass es jetzt wohl doch nichts wird mit Oma- und Opa-werden.


    Es geht ja wohl in erster Linie um das Glück des Sohnes und nicht um
    die eigene Selbstverwirklichung. Schon klar, daß man sich jetzt auf
    eine etwas andere Zukunft einstellen muß, aber Ihr Sohn hat sicher genauso Probleme damit!
     

    Tratsch
    oder: Soll ich es Freunden, Verwandten, Bekannten erzählen?Was werden die Nachbarn denken?

    Manchmal ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, das Beste,
    was einem passieren kann.
    Wenns hilft, damit besser fertig zu werden, warum nicht?! Und es
    gibt zudem noch Gruppen von Eltern schwuler Söhne, vielleicht bringt
    das was. In sich Reinfressen und totschweigen ist das Übelste, was
    man sich selbst antun kann. Und das beste gegen die Angst "Was, wenn
    es die Nachbarn erfahren?" ist eben immer noch die Flucht nach vorne.
     
    Der erste Kontakt

    oder: Wie verhalte ich mich, wenn mein Sohn den Lover mit anschleppt?

    Der Sohn wird geliebt. Also, wenn das nichts ist!
    Ok, das ist dann eben das, was eigentlich die Schwiegertochter hätte
    sein sollen. Eigentlich ist der Typ doch ganz nett, oder?!